Spazieren gehen und neue Leute kennenlernen? Warum nicht?!
Durch Zufall bin ich über einen Online-Artikel über „Let´s Connect Hannover“ gestoßen und war total begeistert von dem Konzept: Bei monatlichen Spaziergängen kamen ganz unterschiedliche Personen zusammen. Sie alle hatten gemeinsam, dass sie auf der Suche nach neuen Kontakten und Freundschaften waren. Ins Leben gerufen wurde diese Initiative von einer jungen Frau, die selbst mal aus ihrer social bubble rauskommen wollte. Und damit hat sie genau den richtigen Nerv getroffen. Denn je älter wir werden, desto schwieriger wird es für die meisten, überhaupt neue Leute kennenzulernen und Freunde zu finden.
Während es noch in der Schulzeit oder als Student relativ einfach ist, neue Connections aufzubauen, wird es mit Beginn des Arbeitsleben immer schwerer. Sind wir doch immer mehr in unseren Routinen, bewegen uns lediglich nur in unseren Kreisen. Mit Familie und Arbeit sind die meisten auch so beschäftigt dass kaum noch Zeit für das Pflegen der sozialen Kontakte bleibt.
Weniger Zeit und Energie für Freundschaften
Social Walks fürs Kennenlernen
Und da setzt eben genau die Initiative „Let´s Connect Hannover“ an. Und ich dachte mir: „Wie genial! Das will ich auch für meine eigene Stadt!“ Soweit ich wusste, gab es so etwas hier noch nicht, also beschloss ich kurzerhand, eine eigene Initiative zu gründen: „Let´s Connect Magdeburg“. Ich wollte mich damit auch für ein Miteinander einsetzen, dass mehr Menschen zusammenkommen, dass gerade Menschen, die sich einsam fühlen und noch keinen Anschluss gefunden haben, so die Chancen bekamen, neue Kontakte zu schließen.
Denn auch wenn es heutzutage so scheint, als wären wir so vernetzt wie noch nie dank des Internets, habe ich den Eindruck, dass es zunehmend schwerer wird, neue Leute kennenzulernen. Die sogenannten „Third Places“, also Orte der Gemeinschaft, abseits von Arbeit und Familie, verschwinden zunehmend. Es gibt zwar in meiner Stadt schon noch solche Orte, aber sie werden eben leider nicht mehr so oft aufgesucht. Darüber hinaus trifft man sich ohnehin meist schon mit Freunden und Family an diesen Orten. Es fehlt an Orten und auch an Möglichkeiten, neue Leute kennenzulernen.
Und nicht für jeden sind solche Apps wie „Bumble BFF“, bei man sich gezielt mit Menschen trifft, die eben auch neue Freundschaften suchen. Für viele wirkt das doch etwas zu gezwungen, mit zu vielen Erwartungen und zu viel Druck. Viele sehnen sich nach lockeren Möglichkeiten, andere kennenzulernen.
Doch wie schaffe ich es, dass die Leute davon erfuhren? Am besten natürlich heutzutage über das Internet. Also erstellte ich fix einen Instagram-Account und schrieb auch verschiedene Player in der Stadt an, die selbst ein größeres Netzwerk und mehr Reichweite hatten. Mit Unterstützung konnte ich zunehmend immer mehr Menschen erreichen. Und plante dann auch den ersten Spaziergang im Mai letzten Jahres.
Ich war schon richtig nervös, hatte ich noch nie solch ein Format umgesetzt. Bei den ersten Spaziergängen waren noch nicht so viele dabei, wir waren vielleicht maximal 10 Personen. Jedes Mal waren immer wieder neue Gesichter dabei. Jedoch waren darunter auch immer wieder Leute, die öfter dabei waren und begannen, sich unter einander zu connecten. Genau das, was ich wollte.
Ich freute mich, bekannte Gesichter zu sehen, genauso aber auch neue Menschen kennenzulernen. Für mich war das auch ein Rauskommen aus meiner sozialen Komfortzone. Zum einen war es für mich immer wieder auch eine kleine Herausforderung ins Gespräch mit neuen Leuten zu kommen aufgrund meiner sozialen Ängste. Es war eine prima Übung, um das zu üben.
Zum anderen mochte ich es einfach, immer wieder neuen Leuten zu begegnen. Die Gespräche, die ich führte, waren immer wieder anders. Jeder dieser Menschen brachte seine eigene Lebensgeschichte mit, ganz unterschiedliche Ansichten, die mich zum staunen brachten und inspirierten.
Immer mehr Social-Walk-Formate in Magdeburg
Inzwischen läuft das Format bereits mehr als anderthalb Jahre und noch immer kommen neue Menschen dazu. Mit großer Freude beobachte ich, dass generell immer mehr solcher Formate aus dem Boden sprießen. Inzwischen gibt es neben meiner Initiative noch drei weitere hier in Magdeburg. Der „Social Club Magdeburg“, bei dem inzwischen hunderte Menschen mitlaufen. „Walk and talk Magdeburg“, von Frauen für Frauen und dann noch der „spazierclub Magdeburg“. Ich freue mich sehr, dass es seit ich mit meiner Initiative begonnen habe, immer mehr solcher Gemeinschaften entstehe.
Inzwischen denke ich mir, dass es meine Initiative nicht mehr braucht, da es ja noch einige weitere Alternativen gibt. Ich bin da derzeit noch in der Orientierungsphase. Vielleicht werde ich die Treffen auch jetzt eher seltener anbieten, da bin ich mir noch nicht sicher. Ich freue mich jedoch, dass es jetzt mehr Möglichkeiten in Magdeburg gibt, neue Menschen kennenzulernen.

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